Die letzten sechs Wochen in Melbourne waren dann wieder sehr einseitig. Nachdem wir vier Wochen in der Bruce St. gelebt haben, war es an der Zeit, unsere Ansprüche etwas hochzuschrauben (ausnahmsweise!). Wir zogen in die nur etwa 500m entfernte „Bell City“, ein Hotel – und Apartmentkomplex der Hotelkette Rydges!
Dieses Angebot aus einem tollen Viererzimmer, Fitnessstudio und Pool, sowie Billardraum und pipapo konnten wir uns deshalb leisten, weil wir eben zu viert waren. So kostete das Viersternezimmer genauso viel, wie unsere Wohnung in der Bruce St. Nachdem wir fünf Minuten im Zimmer verbracht haben, und die hübsche Kimberly uns den Schlüssel überreichte, war die Wohnung schon ein einziges Chaos. Nicht mal den Fußboden konnte man vor lauter Klamotten noch sehen. Trotzdem bemühten wir uns, die Wohnung sauber zu halten (bzw. wir wussten, dass die Putzfrau immer Donnerstag kommt, und räumten demnach den kompletten Fußboden auf die Betten;)).
Mit der neuen Wohnung änderte sich auch einiges im Arbeitsleben. Robin und Konsto nahmen auch den Job im Lager bei „General Pants“ an, den Lukas und Geyer schon ein paar Wochen machten. Robin schmiss seinen Job als Dishy hin, nachdem die Gehaltserhöhung abgelehnt wurde, Konsto behielt seinen Job bei Octopus als Wochenendjob. So standen wir jeden Morgen zu viert um halb 5 auf, gingen um 5 aus dem Haus, stiegen um 10 nach 5 in den Zug, stiegen um viertel vor 6 an der Flinders Station in der Stadt in einen anderen Zug, fuhren von dort 30 Minuten bis nach Tottenham und mussten noch ca. eine halbe Stunde laufen
Der Weg zur Arbeit war also nicht gerade optimal, dafür konnten wir aber auf einfachste Art und Weise Geld verdienen. Lukas und Robin machten „Putaway“, also räumten die Boxen in Regale ein und scannten den Lagerplatz; Konsto sammelte die Boxen von vorne und fuhr sie den beiden immer aufs Neue zum Einräumen hin.
Dazu muss man sagen, dass die Pausen immer um einige Minuten ausgeweitete wurden, hier und da ein Schwätzchen gehalten wurde und wir uns die letzte Stunde am Tag sowieso meistens nur zwischen den Regalen versteckt haben, um nichts mehr tun zu müssen. Diese Einstellung lebten wir aber nicht vor, sondern imitierten sie nach
So locker hat bislang niemand von uns Geld verdient.
Nach der Arbeit stand für Lukas und Robin meistens nichts mehr an. Konsto meldete sich beim Port Melbourne Soccer Club an und trainierte dreimal pro Woche in der U23 mit. Das Training bestand hierbei (ähnlich wir beim Rugby) hauptsächlich aus rennen, tackeln, grätschen und foulen;) Trotzdem machte es nach einem halben Jahr riesigen Spaß zu kicken.
Lukas und Robin hielten sich derweil im hauseigenen Fitnessstudio in Form oder gingen joggen. In der trainingsfreien Zeit verbrachten wir viel Zeit in der Stadt, schrieben an unsere Liebsten zu Hause oder gammelten einfach im Zimmer und schauten uns englische Sitcoms (Victorious!!) an;)
Am 4.Mai war dann der Tag gekommen, an dem endlich alle aus dem Teenageralter raus gekommen sind: Konsto wurde 20! An dieser Stelle muss ich (Konsto) mal ein kräftiges Lob an meine Kollegen ausdrücken, die mir abends um 11 nach dem Fußballtraining noch einen Geburtstag bereiteten, den ich nie vergessen werde! Die beiden kauften einen Schokokuchen (ein Gericht, das wir uns eigentlich nie leisten würden), den wir dann gemeinsam aßen. Dazu gabs Socken mit Kängurus drauf (da Konsto immer Löcher in den Socken hat) und einen Geldbeutel in Aussiestyle, da Konsto seinen (mal wieder) verloren hat. Im Anschluss gönnten wir uns noch ein Geburtstagsrettchen und tranken Öttinger
In den letzten Wochen in Australien wollten wir das Leben der Stadt noch einmal in vollen Zügen genießen. Der Blick auf unser Konto wirft uns jetzt doch ein kleines Lächeln auf die Backe, aber sparen wollen wir auch nicht zu viel. So verspielen wir am Abend mal locker ein Tagesgehalt von 160$ im Casino (jeder) oder gehen dort einfach mal schön essen. Schön ist hier vielleicht doch das falsche Wort… es war anfangs schön, doch hat es uns so gut geschmeckt, dass wir beim Buffet einfach keine Grenzen kannten und alles in uns reingestopft haben, was ging: Legendär hierbei das Eis von Geyer, der so viele Kugeln auf einmal essen wollte und deshalb den Unterbau mit drei Hörnchen gleichzeitig geformt hat
Nach dem Essen konnten wir uns im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr bewegen und taumelten zurück zum Zug. Darüber hinaus gingen wir jetzt regelmäßig auf einen Kaffee in die Stadt und gönnten uns auch abends mal ein, zwei…., drei, vier, fünf, vielleicht auch sechs, sieben, acht, neun Bierchen im Flinders Pub
Zwischenzeitlich mussten Lukas und Konsto nach einer Spätschicht immer mal wieder am Bahnhof schlafen, weil sie den letzten Zug um wenige Sekunden verpasst haben und auf den nächsten um halb 5 morgens warten mussten… aber da kommt man auch durch. Einmal wurde der Zug nicht nach Preston, sondern direkt nach Tottenham zur Arbeit genommen, woraus ein unglaublich harter Arbeitstag resultierte! Aber wie gesagt: Alles halb so wild.
Was dafür aber viel besser als erhofft lief, war der Verkauf unseres geliebten Mopeds! Wir verkauften es zwar unter dem Kaufpreis, dafür war der Wechselkurs inzwischen zu unseren Gunsten gefallen, weswegen jeder von uns nur schlappe 300$ dafür bezahlt hat, um sechs Monate zu fahren, kochen, schlafen… um einfach zu leben in dieser Karre! Ein paar kleine Reparaturkosten sind zwar angefallen, trotzdem war dieses Moped nicht nur sagenhaft, wir haben auch mit ihm unser Geschäft des Lebens gemacht! Nach einer letzten Rundum-Polierung glänzte das Moped auch wieder wie am Anfang !
In sechs Monaten Reisezeit im Moped sind wir rund 25000km gefahren, haben etwa drei Gasflaschen verkocht (ca. 300 mal Nudeln und Reis), haben jeder 200mal drin geschlafen, zwei Räder gewechselt und vieles mehr. Das Moped war stets treu, unproblematisch, hat uns durch fünf Bundesstaaten geführt, war kuschelig und ein guter Ort um abends zu feiern! Es konnte uns sogar einmal auf 140km/h beschleunigen! So schnell wie Superman!
Und so zählten wir Tage unwollend runter. Aus vier Wochen wurde eine Woche, aus einer Woche schließlich der vorletzte und der letzte Tag in Australien. Wir nahmen uns die letzten zwei Tage frei und verbrachten die Zeit damit, noch ein letztes Mal australische Luft am Südufer des Yarra River zu schnuppern.
Einen ganzen Tag verbrachten wir noch da unten und hatten durchgehend ein ziemlich komisches Gefühl im Magen… Den letzten Spaziergang genossen wir aber in vollen Zügen und wollten eigentlich garnicht Richtung Heimat. Auf dem Weg in Richtung Flinders Station gammelten wir noch ein Weilchen am Fed Square, aber mussten dann schnell zurück in die Wohnung.
Beim Rucksackpacken (mittags) taten wir uns noch was Gutes: Wir tranken Whisky, den wir uns seit gut einem halben Jahr aufgehoben haben;) Dann verabschiedeten wir uns schonmal von unsrem noblen Anwesen, bevor wir unsere Backpackerrucksäcke an die Rezeption schleppten und schließlich in den Kofferraum des Taxis. Der Weg zum Flughafen war uns bekannt, da wir von dort aus auch nach Tasmanien flogen, trotzdem war es diesmal komplett anders. Am 25. Mai 2011 starteten wir in Melbourne und blickten ein letztes Mal auf die Stadt zurück. Eigentlich blickten wir nicht nur auf die Stadt, sondern auf das ganze Land zurück. In den folgenden Flugstunden flogen wir nämlich noch einmal komplett über den Kontinent, mitten übers Outback
Dann war aber irgendwann kein Land mehr in Sicht und wir verließen Australien endgültig…
Das Ende unserer Reise war dies aber noch nicht: Noch ein paar Flugstunden standen uns bevor und wir landeten in Singapur, wo unser Abenteuer (fast) an der Ziellinie angelangt war
























































































































